Geistlicher Impuls

Alles geht vorbei, Gott bleibt

Was uns verwundet, davon bleiben Narben. Gedächtnis gibt Gott an seine Taten. Jede Narbe trägt in sich eine Geschichte der Verletzung und eine Geschichte der Heilung. Jede Narbe erinnert daran, dass du heil und ganz werden kannst. Ich sehe meiner Rettung entgegen, das ist das Gute! Alles Unheil vergeht, weil Gott bleibt. Vertrauen heißt jetzt: Tuts gut, tuts weh, haltet Gott fest!

 

Auch das Neue Testament steht vor der paradoxen Frage: Wieso leidet ein Mensch, obwohl Gott doch sein Glück will? In Jesus entlädt sich dieses Paradox wie eine donnergeladene Wolke.

 

Ich könnte leben, sagt er, aber ich sterbe. Ich könnte euch verlassen, aber ich bleibe bei euch. Ich könnte eure Feigheit verurteilen, aber ich mache euch Mut. Ich könnte meine Feinde verfluchen, aber ich bete für sie. Ich könnte dich unter deiner Last zusammenbrechen lassen, aber ich nehme sie auf mich.

 

So völlig unbegreiflich es auch ist, wieso der unschuldige Jesus an das Kreuz gehängt wird, so dämmerts mir doch allmählich, dass eben dieses Kreuz der Schlüssel ist, der die Tür zum Reich Gottes aufschließt, zum Leben in Liebe und Fülle, letztlich zur Auferstehung. Was ist da zu tun, war gefragt worden, wenn dein Leben durcheinandergewirbelt wird? Niemand kann es dir abnehmen, dass du den entscheidenen Schritt durch die geöffnete Tür selbst machst. Ich weiß, da hängen Bedenken wie Bleiklumpen an den Füßen. Wer es dennoch wagt, der tritt durch die Dunkelheit hindurch ins Helle.

 

Wo bist du, Gott (I)?

Wir kennen diese Frage aus dunklen Stunden. Was ist das für ein Gott, der in der Not nicht sieht, nicht hört, nicht handelt? Die Frage stellt die Treue Gottes in Frage, seine Wirklichkeit, für die sein Name steht: Ich bin da.

 

Wie viele rufen: Geheiligt werde dein Name!

 

Und wir spüren schmerzlich: Es ist noch nicht da, worum wir bitten. Aber es ist dennoch wahr. Es ist wirklich. Es breitet sich aus, wenn wir es im eigenen Bekenntnis aussprechen. Das alles zusammengenommen, lässt uns ahnen: Wir können über Gott nicht verfügen, ihn beschwören oder gar zwingen, seine Macht zu beweisen. Gott ist frei und lässt frei — sogar für ein Leben ohne ihn.

 

Ganz anders die Abergötter des Aberglaubens! Ihr Sein oder Nichtsein hängt davon ab, ob sie „funktionieren“, das heißt dem Menschen zur Hand gehen oder nicht. Ich meine mit den Abergöttern nicht die Gottheiten, zu denen ganze Völker jahrtausendelang beteten und die letztlich „Masken“ Gottes sind.

 

Masken werden aufgesetzt oder abgelegt, das Angesicht Gottes bleibt.

 

Artikel für April/Mai  2021                                      Pfarrer Georg Lokay