Geistlicher Impuls

 Zehn Verheißungen

 

Für die meisten von uns ist das neue Jahr schon wieder das alte, kein Wunder bei der Schnelllebigkeit unserer Zeit. Immerhin bleiben uns noch 340 Tage im Jahr, an denen wir uns fragen können: Wie gebe ich mein Leben hin, sodass ich es gewinne und nicht verliere? Mit einem Dreierschritt möchte ich mich dieser Frage nähern, und zwar auf dem Weg der Zehn Gebote. Sie lauten:

 

(Überschrift) Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus dem Knechtshaus Ägypten geführt hat.

(I) Du wirst keine anderen Götter neben mir haben. (Du wirst dir kein Gottesbild machen.)

(II)  Du wirst den Namen Jahwe nicht missbrauchen.

(III) Du wirst den Sabbat heiligen.

(IV) Du wirst Vater und Mutter ehren.

(V) Du wirst nicht morden.

(VI) Du wirst nicht ehebrechen.

(VII) Du wirst nicht stehlen.

(VIII) Du wirst nicht falsch aussagen gegen deinen Nächsten.

(IX) Du wirst nicht verlangen nach dem Haus deines Nächsten.

(X) Du wirst nicht verlangen nach dem Besitz und der Frau deines Nächsten.

 

Erster Schritt: Wer spricht? Jahwe.

 

Dieser Name ist eine Botschaft. Sie besagt: Ich bin da. Wenn uns das zugesagt ist, dann werden wir es auch mit unserem ganzen Leben abspüren: in Freud und Leid, an der Wiege und am Grab, in der Schuld und Versöhnung.

 

Zweiter Schritt: Wer ist angesprochen? Du, jeder, der das Du in den Zehn Geboten auf sich bezieht. Die vertraute Übersetzung dieser Gebote lautet meist: Du sollst … Aber dann sind es moralische Appelle, die über den Köpfen der Menschen hängen bleiben. Wenn ich aber höre: Du wirst …, da fühle ich mich angerufen, herausgerufen aus meiner bisherigen Lebensführung, die ja so oft unter dem Du–sollst, Du–musst steht.

 

Dritter Schritt: Was folgt daraus? Die Zehn Gebote sind gewaltige Verheißungen,

Versprechungen Gottes:

 

Weil ich da bin, wirst du nicht falsch reden und morden.

 

Weil ich da bin, wirst du dich nicht niederwerfen vor fremden Göttern (Geld, Macht, Porno, Sex, Krieg, Fernsehen).

 

Weil ich da bin, wirst du den Sabbat halten (= dein Sonntag wird sich vom Alltag unterscheiden, weil du dich ganz bewusst von mir und meinem Wort berühren lässt).

 

Weil ich da bin, wirst du nicht allein sein in den Beschwerden des Alters.

 

Weil ich da bin, wirst du hoffen wider alle Hoffnungslosigkeit.

 

Wie befreiend, dass es nicht heißt: wir müssen, sondern: wir dürfen. Wie befreiend, dass ich mich nicht von meinen Ängsten und Zwängen und Süchten niederdrücken lassen muss. Wie befreiend, dass ich immer wieder bekennen darf: Er ist der Einzige, der mich befreien kann, damit ich Mensch werde und Mensch bin. Wie befreiend, wenn ich auf diesem Weg meinem Leben freien Lauf lasse, weil ich im Angesicht Gottes erfahre: Ich darf Mensch sein, weil mein Gott da ist, lebendig und treu.

 

 

Artikel für Januar/Februar 2021                             Pfarrer Georg Lokay